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Heldinnen von heute, Klischees von gestern

Medienpädagogin Maja Götz plädiert in der Reihe „Wertvolle Kinder“ für neue Räume abseits von medialer Selbstinszenierung und Schönheitswahn.

„Kinder wachsen mit einer unglaublichen Vielzahl an Medien auf“, so Maja Götz zu Beginn ihres Vortrags in der Reihe „Wertvolle Kinder“, die diesmal bei Russmedia gastierte. Es sei wesentlich, Kinder bei der Mediennutzung zu begleiten und unterstützen. Dazu müssten Eltern erst einmal ihren eigenen Medienkonsum reflektieren. Denn von Geburt an würden Kinder ihre Eltern verstrickt in die Nutzung digitaler Medien erleben. Entscheidend seien klare Regeln und zeitliche Begrenzungen. „Je klarer die Regeln am Anfang sind, desto positiver wirkt sich dies auf die Medienkompetenz der Kinder aus, desto weniger treten später Abhängigkeitseffekte auf“, betonte die Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk.

Identifikationsfiguren und Selbstinszenierung

Maja Götz ging auch auf die Bedeutung medialer Vorbilder ein: „Die Medienheld*innen unserer Kindheit sind Projektionsflächen für unsere Wünsche und Werte.“ Dass 53 Prozent der 16-jährigen Mädchen, die Germanys Next Top Model anschauen, gerne eine Mutter wie Heidi Klum hätten, sage viel darüber aus, welche Attribute die Heldinnen von heute erfüllen müssten. Im Social-Media-Bereich gehe es den Influencer*innen um durch Werbung finanzierte Selbstinszenierung. Es sei ein „total schräges Bild, mit dem unsere Kinder aufwachsen und dem sie nacheifern“, denn was als „echt“ dargestellt wird, ist das Ergebnis harter Arbeit, von Optimierungs- und Filter-Apps. „Etwa 20 Anläufe braucht es in der Regel, damit das Bild perfekt ist, also schön und natürlich“, sagt ein Mädchen, das Instagram für seine Selbstdarstellung nutzt. „Alle inszenieren sich auf die gleiche Weise“, erklärte Götz vor einem sehr jungen Publikum. Es sei inzwischen kinderleicht, das Bild entsprechend der medial propagierten Schönheitsklischees zurechtzuzimmern. Längere Beine, schmalere Taille oder Six-Pack bei den Jungs – kein Problem in der geschönten neuen Medienwelt.

Worum geht’s?

Um Anerkennung und – so seltsam es klingt – Individualität. Vom ersten Selfie und lustigen Video ist es jedoch oft nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Selfie-Queen. Im Web und auch sonst regt sich aber auch Widerstand. So hinterfragt die Poetry-Slammerin Julia die stereotypen Geschlechterrollen und wundert sich: „Warum tut man sich das an, in einer Welt, in der man ICH sein kann?“ Dennoch sei es für Mädchen eine ständige Anforderung, dem Like-Marathon zu widerstehen. Maja Götz plädiert dafür, Räume jenseits der Dominanz des Aussehens und ständiger Selbstoptimierung zu schaffen. Für Jungen gelte es, verschiedenste Männlichkeitsbilder zuzulassen und Kommunikationskompetenzen zu fördern.

Echt – das neue Cool?

Mut zum Widerstand sei gefragt und mehr Fehler machen sollte Mädchen und Buben erlaubt sein in einer „sehr fehlerfeindlichen Kultur“. Was heißt dies nun für Eltern und Erziehende? Zuhören, verstehen und anerkennen, laute die Devise. „Sich zeigen lassen, was die Kids machen, herausfinden, welche Bedürfnisse hinter der digitalen Mediennutzung stehen, und nicht vergessen: In dieser schnelllebigen Medienwelt sind zuerst einmal unsere Kinder die Expert*innen“, so Götz. Ich nehme die Medienpädagogin beim Wort und schaue meiner bald 13-jährigen Tochter über die Schulter. Auf dem Küchentisch liegt zufällig die neue Bravo, die einen Artikel mit der Überschrift „Echt ist das neue Cool“ über Shawn Mendes bringt, den meine Tochter mag, ebenso wie den Schlabberlook von Billie Eilish und die Tänze von Charli D’Amelio auf TikTok. Die würden sie auch im Turnunterricht in der Schule nachtanzen.

Anerkennung und Respekt

Ob echt oder nicht, es bleibt anspruchsvoll, gemeinsam mit unseren Kindern durch die digital transformierte neue Welt zu navigieren. Letztlich geht es dabei laut Maja Götz immer darum, die Grundbedürfnisse unserer Kinder nach Anerkennung, Resonanz, Autonomie, Sicherheit und Respekt wahrzunehmen und unseren Töchtern und Söhnen zu vermitteln: So wie du bist, ist es wunderbar. Wie wahr!

Der Vortrag mit anschließender Diskussion kann in der Vokithek des Vorarlberger Kinderdorfs nachgehört werden. Zum Vortrag

Der Vortrag fand in Kooperation mit DORN Arbeitsbühnen statt.

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